Warum veredelt ein Imker Spirituosen mit Honig?

Warum ein Imker Spirituosen mit Honig veredelt

Die Idee zu Wacholdergold, Fassgold und Inselgold ist nicht am Reißbrett entstanden, sondern aus einer ziemlich nüchternen Rechnung während meiner Meisterausbildung.

Die Rechnung, die nicht aufging

Schon in der Facharbeiter-Ausbildung, aber vor allem im ersten Jahr der Meisterausbildung, war eine Frage immer wieder Thema: Wie viel muss ein Kilo Honig kosten, damit man kostendeckend arbeitet – ganz ohne Gewinn? Bei uns allen kam ungefähr derselbe Wert raus: rund 23 Euro pro Kilo.

Die Realität sieht anders aus. Abfüller zahlen Imkern heute im Schnitt etwa 1,70 Euro pro Kilo Honig. Bei sehr großen Betrieben mit tausenden Völkern kann sich das über die schiere Menge durchaus ausgehen – wer aber, wie die meisten Imkereien in Österreich, in einer kleineren Größenordnung arbeitet, verdient mit reinem Rohhonig-Verkauf über den Abfüller kaum bis gar nichts.

Die Beobachtung, die alles ins Rollen brachte

Also habe ich mich umgesehen, was man aus Honig sonst noch machen kann – und bin auf ein interessantes Muster gestoßen: Viele Menschen haben regelrecht Berührungsangst vor Honigspirituosen, weil sie sie sofort mit schwerer Süße gleichsetzen. Gleichzeitig gibt es genug Leute, die Honiglikör durchaus mögen.

Die eigentliche Lücke war eine andere: eine Spirituose, die den echten, sortentypischen Geschmack von Honig transportiert – ohne die schwere Süße, die viele abschreckt. Nicht Likör. Nicht "süß macht man mit Honig automatisch". Sondern Charakter.

Drei Jahre und ein paar fast gekündigte Freundschaften

Was einfach klingt, hat rund drei Jahre Entwicklungszeit gekostet. Nicht jeder Gin oder Whisky lässt sich sinnvoll mit Honig veredeln – manche Spirituosen vertragen sich einfach nicht mit dem, was Honig geschmacklich mitbringt. Beim Rum musste ich mich durch zahlreiche Sorten probieren, bis ich bei einem karibischen Rum hängen geblieben bin, der genau passte.

Getestet wurde dabei ehrlich – an echten Menschen. Meine Freunde erinnern sich vermutlich weniger gern an diese Phase: Wer sich mit mir traf, wusste, dass Alkohol zum Verkosten mit dabei war, und irgendwann trafen sich manche lieber etwas seltener. Ernsthaft gekündigt hat mir zum Glück niemand die Freundschaft – aber knapp war's bei der ein oder anderen Verabredung schon.

Was dabei nicht verraten wird

Zum genauen Mischungsverhältnis von Spirituose und Honig gebe ich bewusst keine Auskunft. Das liegt nicht nur daran, dass es drei Jahre gedauert hat, es für jede Honigsorte einzeln herauszufinden – es gibt auch gar keinen fixen Wert. Honig ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich: Ich kann meinen Bienen schließlich nicht vorschreiben, welche Pflanzen sie anfliegen. Selbst innerhalb einer Sorte wie Edelkastanie kann ein Jahr deutlich anders ausfallen als das nächste, wenn die Völker zusätzlich eine besonders ergiebige andere Blüte entdecken. Jede Charge wird deshalb neu abgestimmt.

Eine Erkenntnis aus drei Jahren Testen lässt sich aber klar sagen: Akazienhonig eignet sich für die Veredelung mit Spirituosen denkbar schlecht.

Und es geht weiter

Die drei aktuellen Produkte – Wacholdergold, Fassgold und Inselgold – sind nicht das Ende der Geschichte. Aktuell reift ein Tequila im Fass, bislang mit ausschließlich positivem Feedback von allen, die ihn probiert haben. Parallel dazu sind auch ein Zwetschken- und ein Marillenansatz mit Honig in Arbeit. Ob und wann daraus fertige Produkte werden, entscheidet am Ende wie immer der Geschmack – nicht der Zeitplan.


Dieser Artikel ist Teil einer Reihe über die Veredelung von Spirituosen mit Honig. Mehr dazu: Gin mit Honig, Whisky mit Honig, Rum mit Honig