Was unterscheidet Honiglikör von einer Honigspirituose wie Fassgold?
Wer zum ersten Mal von "Honig-Whisky" oder "Honig-Gin" hört, denkt oft automatisch an Honiglikör. Verständlich – Honiglikör ist bekannt, weit verbreitet, und Honig plus Alkohol klingt erst mal nach derselben Idee. Der Unterschied liegt aber genau in dem Punkt, um den sich bei der Veredelung alles dreht: die Süße.
Honiglikör: Süße steht im Vordergrund
Likör ist per Definition ein gesüßtes Spirituosenerzeugnis. Bei Honiglikör bedeutet das: Der Honig bringt vor allem Süße und Geschmack in ein Produkt, das ohnehin auf Süße ausgelegt ist. Die zugrundeliegende Spirituose tritt dabei meist in den Hintergrund – sie ist eher Trägerstoff für den Honig als eigenständiger Geschmacksträger.
Das ist nicht despektierlich gemeint. Likör hat seine Berechtigung, und es gibt genug Menschen, die genau diesen süßen, runden Charakter schätzen.
Honig-Whisky, Honig-Gin, Honig-Rum: Charakter statt Süße
Bei Wacholdergold, Fassgold und Inselgold ist der Anspruch ein anderer. Hier bleibt die Basis-Spirituose – der Gin, der Whisky, der Rum – klar erkennbar und geschmacklich präsent. Der Honig kommt nicht als generisches Süßungsmittel dazu, sondern als eigenständige Geschmackskomponente mit einer ganz bestimmten Sorten-Identität, die mit der Spirituose eine neue Balance eingeht.
Das ist ein Punkt, der oft untergeht: Honig ist nicht gleich Honig. Waldhonig, Blütenhonig, Kastanienhonig oder Lindenhonig unterscheiden sich geschmacklich teils deutlich – herb, würzig, blumig, kräftig, je nachdem, welche Pflanzen die Bienen angeflogen haben. Genau dieser Sortencharakter soll auch in der fertigen Spirituose erkennbar bleiben, nicht nur "irgendein Honiggeschmack". Das Ergebnis soll man schmecken, ohne von schwerer Süße überdeckt zu werden: sowohl den Charakter der Spirituose als auch den Charakter der jeweiligen Honigsorte – nebeneinander, nicht der eine zugunsten des anderen.
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Viele Menschen haben Berührungsängste vor Honigspirituosen, gerade weil sie automatisch an einen schweren, süßen Likör denken. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich die Veredelung überhaupt entwickelt habe: eine Alternative zu schaffen, die den guten Geschmack von Honig transportiert, ohne in die Likör-Ecke zu fallen.
Kurz gesagt: Likör will süß schmecken. Eine veredelte Spirituose wie Fassgold will nach Whisky und nach der jeweiligen Honigsorte schmecken – aber nicht nach Zucker.
Dieser Artikel ist Teil einer Reihe über die Veredelung von Spirituosen mit Honig. Mehr dazu: Gin mit Honig, Whisky mit Honig, Rum mit Honig