Wie wird eine Spirituose mit Honig veredelt?

Wie wird eine Spirituose mit Honig veredelt?

Veredelung ist kein Destillieren und kein Aromatisieren. Der Unterschied klingt technisch, ist aber der Kern dessen, was Wacholdergold, Fassgold und Inselgold von vielen anderen Honigspirituosen unterscheidet.

Fertige Spirituose als Ausgangspunkt

Am Anfang steht eine bereits fertig gebrannte Spirituose aus einer traditionellen Herkunftsregion – ein Gin, ein Whisky, ein Rum. Ich destilliere nicht selbst. Meine Aufgabe beginnt dort, wo die Spirituose eigentlich schon fertig wäre: mit der Veredelung durch eigenen Honig.

Das ist auch keine Aromatisierung im klassischen Sinn, bei der ein Honiggeschmack künstlich oder durch Extrakte zugesetzt wird. Es kommt echter Honig aus der eigenen Imkerei zum Einsatz – nicht als Zusatzstoff, sondern als eigenständige Zutat, die mit der Spirituose eine neue Balance eingeht.

Nicht jede Spirituose eignet sich

Die erste Herausforderung: Nicht jeder Gin, nicht jeder Whisky und nicht jeder Rum lässt sich sinnvoll mit Honig veredeln. Manche Spirituosen vertragen sich geschmacklich einfach nicht mit dem, was Honig mitbringt – sei es zu dominant, zu neutral oder in eine völlig andere Richtung unterwegs. Die passende Basis für jedes der drei Produkte zu finden, war entsprechend ein eigener, langwieriger Prozess für sich.

Nicht jeder Honig eignet sich

Genauso wenig passt jede Honigsorte zu jeder Spirituose. Manche Sorten bringen genau die Balance, die gesucht wird – andere passen überhaupt nicht. Akazienhonig zum Beispiel eignet sich denkbar schlecht für die Veredelung mit Spirituosen.

Warum es kein festes Rezept gibt

Zum genauen Verhältnis zwischen Spirituose und Honig gebe ich bewusst keine Auskunft – aus einem einfachen Grund: Es gibt keinen festen Wert. Honig ist ein Naturprodukt und fällt von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus, je nachdem, welche Pflanzen die Bienen in der jeweiligen Saison anfliegen. Selbst innerhalb derselben Honigsorte kann ein Jahrgang spürbar anders schmecken als der nächste.

Das bedeutet: Jede Charge wird neu abgestimmt, nicht nach Schema F nachgemischt. Genau das macht den Prozess handwerklich – und ist auch der Grund, warum die Entwicklung der aktuellen drei Produkte insgesamt rund drei Jahre gedauert hat.

Ergebnis: Charakter statt Süße

Das Ziel der Veredelung ist nie ein Honiglikör. Wer Wacholdergold, Fassgold oder Inselgold probiert, soll zweierlei erkennen: den sortentypischen Geschmack des jeweiligen Honigs – und genauso den Charakter der Spirituose selbst, also den Gin, den Whisky oder den Rum, der die Basis bildet. Keiner der beiden soll den anderen überdecken, und die Süße darf ohnehin nie dominieren. Genau diese Balance aus drei Elementen – Spirituose, Honig und Zurückhaltung bei der Süße – ist es, woran über Monate und Jahre gearbeitet wird, bevor ein Produkt fertig ist.


Dieser Artikel ist Teil einer Reihe über die Veredelung von Spirituosen mit Honig. Mehr dazu: Rum mit Honig, Whisky mit Honig, Gin mit Honig